Stoffe & Material
- Das Alltagsmaterial ist Wolle: sie ist robust, wärmend und in fast jedem Haushalt selbst gesponnen und gewebt. Das Weben ist klassischerweise Frauenarbeit und gehört zu den angesehensten häuslichen Tätigkeiten. Selbst Göttinnen wie Athene sind Schutzpatroninnen dieser Kunst.
- Leinen (aus Flachs) ist leichter und dünner, aber auch teurer. Es ist beliebt im Sommer und bei wohlhabenden Bürgern, insbesondere in Ionien. Hauchzartes Leinen gilt dabei als besonders elegant.
- Seide ist derzeit extrem selten und kommt über Handelswege aus dem Osten. Wer Seide tragen kann, stellt damit einen enormen Reichtum zur Schau.
Die Grundgarderobe
- Chiton: das universelle Grundgewand, das von Männern und Frauen getragen wird. Es ist ein Rechteck aus Stoff, das an den Schultern mit Fibeln befestigt und gegürtet wird. Es gibt zwei Varianten:
- Der dorische Chiton: aus Wolle ist er schwerer, schlichter und oft mit einem Überschlag (Apoptygma) am Oberkörper.
- Der ionische Chiton: aus Leinen fällt er weiter, fließender und wird mit vielen kleinen Fibeln entlang der Arme getragen. Er ist eleganter, aber auch aufwendiger.
- Peplos: das ältere, spezifisch weibliche Gewand. Er besteht aus einem schweren Wollstoff, der an den Schultern befestigt, an der Seite jedoch offen oder geschlossen getragen wird. Er ist schlichter als der Chiton, aber dennoch würdevoll.
- Himation: der Überwurf für draußen, vergleichbar mit einem Mantel. Es handelt sich dabei um ein großes Stoffrechteck, das kunstvoll über die Schulter drapiert wird. Wie man sein Himation trägt, ist gleichzeitig auch eine Aussage: nachlässig drapiert wirkt es vulgär, elegant geworfen zeigt es Bildung und Selbstbeherrschung. Philosophen sind bekannt dafür, nur ein Himation zu tragen, ohne Chiton darunter.
- Chlamys: ein kürzerer Umhang, der mit einer Fibel an der Schulter befestigt wird. Die Chlamys ist typisch für junge Männer, Reiter, Soldaten und Jäger. Wer sie trägt, ist daher meist unterwegs.
Wer trägt was?
Männer tragen den Chiton meist knielang, dazu das Himation im öffentlichen Raum. Arbeiter und Sklaven tragen oft nur einen kurzen Chiton oder ein einfaches Lendentuch (Exomis), das eine Schulter frei lässt. Beim Sport und im Gymnasion sind Männer nackt; Nacktheit ist im athletischen Kontext kein Tabu, sondern ein Ausdruck griechischer Identität.Frauen tragen ihre Gewänder meist bodenlang. Der Stoff ist oft feiner, die Drapierung aufwendiger als bei den Männern. Respektable Frauen zeigen in der Öffentlichkeit grundsätzlich wenig Haut, im Gegensatz zu Sparta, wo Mädchen kürzere Gewänder tragen und dafür von Athenern als "Schenkelzeigerinnen" verspottet werden.
Kinder tragen vereinfachte Versionen der Erwachsenenkleidung, oft nur einen kurzen, ungegürteten Chiton. Sehr kleine Kinder laufen häufig nackt umher. Ein Übergangsritual der Jugend ist das Anlegen der Erwachsenenkleidung: für Mädchen mit der Hochzeit, für Jungen mit dem Eintritt ins Bürgerrecht.
Götter tragen in der Vorstellung (und auf Vasenbildern und Statuen) dieselben Kleidungsstücke wie Sterbliche, nur perfekter. Der Stoff fällt makelloser, die Farben leuchten intensiver und alles wirkt übernatürlich schön. Bestimmte Götter haben zusätzliche Erkennungsmerkmale: Hermes seine geflügelten Sandalen und die Chlamys, Athene die Aigis, Dionysos oft ein Rehfell und einen lockeren, orientalisch anmutenden Chiton. Apollon wird häufig mit einem langen, prächtigen Gewand dargestellt, das seine Verbindung zur Musik und Zivilisation unterstreicht.
Farben und Färbung
Griechische Kleidung ist keineswegs nur weiß, dabei handelt es sich um ein Missverständnis, das von den ausgeblichenen Marmorstatuen herrührt. In Wahrheit lieben die Griechen Farbe.- Weiß/Naturfarben: ungefärbte Wolle oder gebleichtes Leinen. Alltäglich, aber auch rituell bedeutsam, denn Priester und Festteilnehmer tragen oft reines Weiß.
- Rot/Rotbraun: aus Krapp (einer Pflanzenwurzel) oder Kermes (aus Schildläusen). Beliebt und weit verbreitet.>
- Gelb/Safranfarben: aus Safran oder Granatapfelschalen hergestellt. Safrangelbe Gewänder werden häufig mit Frauen und mit bestimmten Ritualen verbunden; so trugen Mädchen bei den Brauronia safranfarbene Gewänder zu Ehren der Artemis.
- Purpur: der Königsstoff. Die Farbstoff wird aus der Purpurschnecke (Murex) gewonnen, wobei es sich um einen unfassbar aufwendigen Prozess handelt. Es braucht tausende Schnecken für wenige Gramm Farbstoff. Purpur ist ein Zeichen enormen Reichtums und wird häufig mit Göttlichkeit assoziiert. Die Farbpalette reicht von Violett über Tiefrot bis fast Schwarz.
- Blau: aus Waid, seltener als Rot, aber durchaus verwendet.
- Schwarz: für Trauer, eher selten im Alltag.
Schuhe, Haar und Schmuck
Barfuß zu gehen ist im Haus und bei vielen Gelegenheiten normal. Draußen trägt man stattdessen einfache Sandalen aus Leder oder geschlossene Schuhe. Aufwändigere Schuhe signalisieren einen höheren Status.Haare tragen die Frauen in der Regel lang und kunstvoll hochgesteckt, entweder mit mit Bändern, Netzen oder Diademen. Kurzes Haar bei Frauen deutet entweder auf Trauer oder einen Sklavenstatus hin. Männer tragen seit einiger Zeit meist kürzeres Haar und gepflegte Bärte. Zuvor waren lange Locken bei Männern noch üblich. Spartaner hingegen sind berühmt für ihr langes Haar, das sie vor der Schlacht sorgfältig kämmen.
Schmuck wie Fibeln, Armreifen, Ohrringe, Siegelringe sind weit verbreitet, besonders bei Frauen. Gold, Silber und Edelsteine zeigen dabei Wohlstand an. Aber auch einfacher Schmuck aus Bronze gehört durchaus zum Alltag.